Der erste Teil der spannenden Geschichte des Posaunenhauses
Die Geschichte des Posaunenhauses, aufgeschrieben von Maria Janßen im Mai 2001
Im Jahre 1931 ging mein Großvater Ulfert Janssen nach 40-jähriger Amtszeit als Pastor auf Spiekeroog in den Ruhestand. Er zog mit seiner Frau Johanna geb. Köppen zu seinem Sohn Theodor Janssen, der hier auf der Insel ein Pensionshaus gebaut hatte. Viele Jahre war Theodor hier Bürgermeister. Neben seinem Hobby Segeln, - was schon durch den Namen seines Pensionshauses „Fallen Anker“ zum Ausdruck kommt, - war er auch ein großer Freund der Blasmusik. Er gründete mit einigen Insulanern einen Posaunenchor, der noch heute existiert. Während sein Bruder Wilhelm, der auf der Insel eine Wäscherei betrieb, das große Helikon blies, war die Zugposaune das Instrument von Onkel Theodor.
Im Sommer hatten alle Männer wenig Zeit zum üben. Die Zahl der Kurgäste stieg und brachte Mehrarbeit für die Insulaner. Umso fleißiger wurde im Winter geübt, meistens in der warmen Backstube von Bäcker Diedrich Frerichs.
Aber das konnte kein Dauerzustand sein, denn die Anlässe zum Blasen waren stetig gewachsen: Ständchen für ältere Geburtstagskinder, Blasen bei Beerdigungen auf dem Friedhof, bei sommerlichen Gottesdiensten im kleinen Wäldchen und sonstigen Gelegenheiten.
So kamen die Mitglieder des Posaunenchors auf die Idee, sich in Eigenarbeit einen Übungsraum zu schaffen. An verschiedenen Handwerkern mangelte es unter den Bläsern nicht. Onkel Theodor stellte auf seinem großen Grundstück einen Bauplatz zur Verfügung, mit Zugang zum Kaapdünenweg.
Inzwischen war Großvater Janßen 1932 gestorben. Großmutter blieb bei ihrem Sohn Theodor und half im Haushalt mit. Um im Sommer kein Zimmer für die Kurgäste zu blockieren, wurde das inzwischen fertiggestellte Holzhäuschen im Garten zu ihrer „Sommer-Residenz“ erkoren. Es bestand aus nur zwei Räumen:
ein Wohnraum zum Süden, ein Schlafzimmer zum Norden. Eine sogenannte „Klön-Tür“ (aus zwei Teilen, obere und untere Hälfte getrennt zu öffnen) war der Eingang im Südgiebel. So erfüllte das Haus etliche Jahre seinen guten Zweck: der Posaunenchor hatte im Winter seinen eigenen Übungsraum, und Großmutter konnte sich, falls nötig, im Sommer dorthin zurückziehen.
Nach dem Ende des Krieges 1945 kamen auch nach Spiekeroog viele Flüchtlinge und Vertriebene. In das „ Posaunenhaus“, wie es bald von den Insulanern genannt wurde, zog eine Flüchtlingsfamilie aus Schlesien, Frau Exner mit fünf Kindern ein, - ohne Wasser, ohne Heizung, ohne Toilette!
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